Jiang Artists Festival: Junge Meister am Klavier zu Gast in Kaufbeuren

Drei ganz dicke Brocken

"Yi Lin Jiang präsentiert zum Abschluss gleich mehrere Herkulesaufgaben der Tastenliteratur. Er bewältigt sie verblüffend brillant. "Wann, wenn nicht beim eigenen Festival, sollte man so etwas einmal angehen?", sagte Yi Lin Jiang lächelnd, aber auch sichtlich angespannt. Während der Pause beim Abschlusskonzert des Jiang Artists Festival liegt ein dicker Brocken der Klavierliteratur schon hinter ihm und zwei nicht weniger fordernde vor ihm. Es ist wahrlich ein Mammutprogramm, das sich der Gastgeber da zum Finale der von ihm organisierten Konzertreihe im Flügelraum des Kaufbeurer Musikhauses Pianofactum vorgenommen hat. Am Ende wird es der 29-Jährige mit Bravour und komplett auswendig bewältigt haben, den begeisterten Applaus der rund 100 Zuhörer genießen, die sich im übervollen Veranstaltungsraum drängen, und noch zu einer ausladenden Zugabe ansetzen. 
Aber der Reihe nach. Den ersten Konzertteil nahm komplett Franz Schuberts Klaviersonate Nr. 20 in A-Dur (D 959) ein. Eines der letzten Werke des Komponisten, entstanden in seinem Todesjahr 1828. Jiang startet ungemein zupackend und kraftvoll in den ersten Satz. Dazu kam eine Klarheit und Schärfe, die das an und für sich liebliche Grundthema von Anfang an brach, ja konterkarierte, und nicht die Spur von romantischem Schmelz aufkommen ließ. Das Schreitmotiv des zweiten Satzes ließ der Pianist nach der Vorstellung zunächst einmal locker schlendern, bevor es dann umso heftiger ins ekstatische Torkeln kam und schließlich donnernd stürzte. Beim folgenden "Scherzo" hielt sich Jiang sogar in seiner Mimik streng an die Satzbezeichnung und genoss zusammen mit dem Publikum eine gewisse Leichtigkeit - aber stets im dramatischen Gesamtkontext dieses Schubert'schen Spätwerks interpretiert. Aus den einleitenden Klangkaskaden des Schlusssatzes blitzte dann maßvoll pointiert wieder das Anfangsmotiv der Sonate hervor. Doch die harmonische Idylle währte nur kurz, und man konnte Jiang die Freude an dessen Verfremdung, Dramatisierung und Verunklärung bis zum Finale ansehen.
Frédéric Chopins Polonaise-Fantaisie in As-Dur (op. 61) als Intermezzo zu bezeichnen, verbietet sich. Denn ein lockeres Zwischenspiel ist dieses einsätzige Werk ganz und gar nicht, vielmehr ein weiteres großes Spätwerk eines großen Komponisten. Voller Elan ging Jiang diesen Extrakt der Chopin'schen Gefühlswelt zwischen Zartheit und Dramatik an. Kunstfertigkeit und Gestaltungswillen verband er zu einem intensiven Klangerlebnis.
Und dann noch Beethoven. Die letzte Klaviersonate des "Titanen" (Nr. 32 in c-Moll op. 111) stand auf dem Programm, und der Pianist zeigte keinerlei Konditionsprobleme. Im Gegenteil. Mit enormem Tempo zelebrierte er den Kontrast zwischen dem bedrohlich düsteren, aber klärendem Hauptmotiv und der es umgebenden flirrenden Klangwolke. Stellenweise war es vielleicht ein wenig zu viel der virtuosen Hast. Die wich im zweiten Satz dann einer Wohlfühlphase, wie sie bei Beethoven selten zu finden ist. Jiangs Interpretation verlieh dieser "Arietta" absolut passend eine fast jazzige Lässigkeit. Doch der Ernst (des Lebens) kehrte auch hier wieder schnell in die Noten zurück, während bei den Zuhörern eine freudige Ergriffenheit bestehen blieb.
Wenn man gerade Spätwerke großer Komponisten auch in einem biografischen Zusammenhang sehen kann, dann waren Jiangs verblüffend brillante Läufe bei diesem Konzert gleichzeitig auch faszinierend interpretierte Lebensläufe. Dabei zeigte er durchaus Respekt vor diesen Meisterwerken, aber keinerlei lähmende Ehrfurcht."

Martin Frei, Allgäuer Zeitung (04/2018)

 

Zwischen Magie und Panik

"Streiks und Verletzungen bringen den Festivalleiter ins Schwitzen. Trotzdem plant er schon für nächstes Jahr. Eine "spannende" Woche sei das gewesen, berichtete Yi Lin Jiang am Sonntagabend erschöpft aber glücklich. Sein Experiment, Studenten und Weggefährten in seine Heimatstadt Kaufbeuren zu holen und große Klavierliteratur im intimen Rahmen des Pianofactum-Flügelraumes zu entwickeln und zu präsentieren, sei voll aufgegangen. Dass die Aufgabe als Festivalleiter aber so anspruchsvoll werden würde, habe der Pianist, der als Dozent an der Musikhochschule Hannover lehrt, aber nicht erwartet.
Das erste Konzert der russisch-österreichischen Pianistin und Dirigentin Alexandra Helldorff bildete mit einem Programm zwischen Barock und Spätromantik eine "bunte Eröffnung". Das "noble und festliche Spiel" seiner Kollegin haben einen dieser "magischen Momente" erzeugt, die er während dieser Tage immer wieder erlebt habe. "Dafür hat er sich schon gelohnt, das zu machen", ist sich Jiang sicher. Auch der Auftritt von Ofer Stolarov mit Suiten und Sonaten von César Franck, Claude Debussy, Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart und Sergej Rachmaninow sei rundum gelungen gewesen. 
Nur am zweiten Festivaltag wich die Magie dann zweitweise der Panik. Durch die Streiks im öffentlichen Dienst musste Jacopo Giovannini, der ebenfalls in Hannover studiert, mehrere Kilometer zum Bahnhof laufen, verpasste seinen Zug und kam erst am frühen Abend in Kaufbeuren an. Auf der Bahnfahrt wurde auch noch Giovanninis Arm eingeklemmt. So startete er abgekämpft und verletzt in den Konzertabend und konnte nur eine Auswahl von Chopins "Préludes" (op. 28) vortragen. Auch das weitere Programm musste spontan geändert werden, Als die Schmerzen zu stark wurden, sprang Gastgeber Jiang ein. Beide waren dann doch noch, wie geplant, vierhändig zugange. Dabei habe trotz aller Probleme wieder die Freude an der Musik Oberhand gewonnen - und die wolle er mit seinem Projekt den Kollegen und vor allem dem Publikum vermitteln. 
Letzteres habe das Angebot erfreulich gut gut genutzt. Zwischen 40 und über 100 Zuhörer zählten die Festival-Macher pro Konzert. Zudem habe es etliche Besucher gegeben, die so begeistert waren, dass sie am nächsten Tag gleich wieder an der Abendkasse standen. Natürlich hätte es ihn gefreut, wenn auch die Konzerte seiner Kollegen durchweg ausverkauft gewesen wären. "Aber für das erste Mal können wir wirklich zufrieden sein", bilanziert Jiang. Bei diesem ersten Mal soll es auch nicht bleiben. "Es gibt schon Ideen", und auch einige Zuhörer hätten ihm deutlich gemacht, welche Stücke sie hören und welche Interpreten sie gerne (wieder) auf der Bühne sehen würden. "Wenn das jährlich stattfinden könnte, wäre das etwas Schönes", sagt der Pianist. An Jiangs Kaufbeurer Mitorganisatoren solle eine Fortsetzung ebenfalls nicht scheitern, versicherte Pianofactum-Inhaber Ioei Hahn. "Ich fühle mich wie nach einer Reise - jede Menge schöner Eindrücke. Und es dürfen gerne noch mehr werden."

Martin Frei, Allgäuer Zeitung (04/2018)

 

Zwei vielgestaltige Zyklen

"Neringa Valuntonyte bringt ausladende Werke von Debussy und Mussorgsky mit bemerkenswerter Reife zu Gehör.
Ein zwar kleiner, aber sachkundiger und hochinteressierter Kreis an Zuhörern erlebte beim vorletzten Konzert des Jiang Artists Festivals im Flügelraum des Kaufbeurer Musikhauses Pianofactum das Deutschland-Debüt der jungen litauischen Pianistin Neringa Valuntonyte. Im Mittelpunkt des Abends standen mit CLaude Debussys Préludes "Livre I" (L 117) sowie Modest Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung" zwei bedeutende, große Klavierzyklen der in den Impressionismus auslaufenden Spätromantik, die überdies als Referenzobjekte für die Gattung "Programmmusik" gelten. Valuntonyte spielte - schon dies eine beachtliche Leistung - beide Zyklen auswendig. Dazwischen konnte das Publikum als kurzes, temperamentvolles Quasi-Intermezzo zwei "Danzas españolas" aus der Oper "La vida breve" von Manuel de Falla hören. Diese trug Valuntonyte zusammen mit Festival-Leiter Yi Lin Jiang vierhändig vor.
Um es vorweg zu nehmen: Neringa Valuntonyte (Jahrgang 1994) verfügt über eine bemerkenswerte technische Reife und virtuose Brillanz. Sicher macht sich hier positiv der Einfluss der viel zitierten "Russischen Schule" bemerkbar. Darüber hinaus präsentierte sie sich mit einer guten Portion Selbstbewusstsein und hier und da spürbarem jugendlichem Ungestüm. Und die sehr klare Schlank- und Schlichtheit ihrer Interpretationen wies längst auch in Richtung eines eher westeuropäisch geprägten Klangideals. 
Vor diesem Hintergrund begeisterte im Debussy-Zyklus vor allem "Der Wind in der Ebene" (III), den die Pianistin gnadenlos drängend über die Tasten peitschen ließ. "Die Klänge und die Düfte bewegen sich in der Abendluft" (IV) schillerten bei Valuntonyte in schwerer Schwüle, aber dennoch mit deliziöser Klarheit und subtil gebrochen. Geradezu schüchtern schien sie hingegen in "Schritte auf dem Schnee" (VI) Neuland zu erkunden, bedrohlich und ambivalent geriet "Der den Westwind gesehen hat" (VII), von warmen Lichtreflexen getragen hingegen "Das Mädchen mit dem flachsblonden Haaren" (VIII). "Die versunkene Kathedrale" (X) atmete Weite, Raum und Höhe, kurz: den Nimbus des Sakralen.
Die "Bilder einer Ausstellung" ging die Pianistin in den ersten "Promenade" ausgesprochen forsch und vereinnahmend, fast militärisch an. Nach einem recht voluminösen "Gnomus" zeigte sich das Ausschreiten in einer weiteren "Promenade" dann gebremster, milder, bevor "Das alte Schloss" den Hörer mit seinem versonnen und doch insistierend formulierten rhythmischen Ostinato in eine andere, längst vergangene Zeit eintauchen ließ. Leichtfüßig, heiter und parlierend das "Ballett der unausgeschlüpften Küken", ungelöste Fragen und Geheimnisse hinterlassend die beiden vielleicht in der Aussage komplexesten Sätze: "Samuel Goldenberg und Schmuyle". Von klaren Wechseln zwischen beklemmender Dunkelheit und verhalten-lichter Jenseitigkeit waren die "Catacombae (Sepulcrum romanum) Cum mortuis in lingua mortua" geprägt. Bei "Baba-Jaga" in der "Hütte auf Hühnerfüßen" tobte eine Art russischer Hexensabbat im Pianofactum-Flügelraum, bevor das Konzert mit dem "Großen Tor von Kiew" auf die Zielgerade einbog. Dieser Abschnitt bewegte sich zwischen ostkirchlicher Innerlichkeit und grandios-pathetisch Glockenklängen in der Tiefe.
Als Zugabe spielte Valuntonyte eine Tasten-Meditation zwischen a-Moll und F-Dur des litauischen Malers und Musikers Mikalojus Konstantinas Ciurlionis (1875-1911)."

Lucia Buch, Allgäuer Zeitung (04/2018)

 

Magie statt Perfektionismus

"Der Kaufbeurer Kulturpreisträger Yi Lin Jiang kehrt zurück und bringt hochkarätige Freunde mit. Zusammen gestalten die Pianisten von 10. bis 15. April ein Festival, bei dem die Freude an der Musik im Vordergrund stehen soll.
"Pianist ist ein sehr einsamer Beruf", sagt Yi Lin Jiang. Der 29-Jährige weiß, wovon er spricht. Denn seit seinem ersten Klavierunterricht hat der Kaufbeurer Kulturpreisträger eine rasante Karriere hingelegt. Zahlreiche Auftritte mit namhaften Orchestern und in berühmten Konzertsäen, seine erste, von der Kritik hochgelobte CD-Einspielung "Masques" und eine Dozentenstelle an der Musikhochschule Hannover kann Jiang inzwischen vorweisen. Doch der Markt sei hart umkämpft und oft bleibe angesichts der Konkurrenz und des Perfektionismus" im Klavierfach die Freude an der Musik auf der Strecke. Deshalb hat der in München geborene und in der Wertachstadt aufgewachsene Musiker mit Wurzeln in Schanghai ein neues, anderes Konzertformat ins Leben gerufen. Von 10. bis 15. April findet in Kaufbeuren das erste "Jiang Artists Festival" statt.
Yi Lin Jiang hat dazu einige Weggefährten und Schüler in seine Heimatstadt eingeladen. Unter dem Leitgedanken "Fünf Pianisten, sieben Nationen, eine Sprache" präsentieren Alexandra Helldorff aus Russland/Österreich, Jacopo Giovannini aus Italien, Ofer Stolarov aus Israel, Neringa Valuntonyte aus Litauen und Jiang selbst, der China und Deutschland repräsentiert, jeweils überhaus anspruchsvolle Programme. "Wir wollen zeigen, dass große Klavierliteratur nicht nur in großen Sälen funktioniert", sagt der Organisator. 
Vielmehr biete der Flügelraum des Kaufbeurer Musikhauses Pianofactum mit seinem maximal 70 Zuhörerplätzen die Möglichkeit, "mit dem Publikum in Beziehung zu treten". Die "Magie", die Begeisterung und Freude an der Musik sollen - sowohl bei den Pianisten als auch beim Publikum - klar im Vordergrund stehen. Und dafür eigne sich der intime Veranstaltungsort in der Wertachstadt viel besser als ein Saal in einer Großstadt, "wo dann schnell wieder der Wettbewerbsgedanke in den Vordergrund tritt.". Äußeres Zeichen für diese partnerschaftliche Grundhaltung ist auch das besondere Konzertkonzept. Denn an jedem Abend steht ein Stück auf dem Programm, bei dem der jeweilige Pianist ein vierhändiges Stück zusammen mit Jiang vorträgt. "Ich möchte dabei auch meine Erfahrung an die jüngeren Kollegen weitergeben. Das ist etwas, was ich zu meiner Zeit vermisst habe", berichtet er. Die einzelnen Konzertprogramme, die mit prägnanten Schlagworten betitelt sind, hat Jiang zusammen mit den Pianisten und Ewa Kupiec erarbeitet. Die Klavier-Professorin an der Musikhochschule Hannover hat auch die Schirmherrschaft für das Kaufbeurer Festival übernommen. Ansprechpartner vor Ort war Pianofactum-Inhaber Ioei Hahn. "Er und die anderen Pianisten waren sofort begeistert von meinen Plänen, sodass die Sache innerhalb von einer Woche organisiert war", schwärmt Jiang, der den Entschluss, ein eigenes Festival auf die Beine zu stellen, im vergangenen Sommer gefasst hat. "Das war ein Ziel, was ich verwirklichen wollte, bevor ich 30 werde."
Mit sechs Jahren kehrte Yi Lin Jiang, dessen Vater an der Kaufbeurer Musikschule lehrt, aus Schanghai wieder nach Europa zurück und erhielt seinen ersten Klavierunterricht bei Barbara Strauß. Ein Jahr später gewann er seinen ersten Klavierwettbewerb. Mit zehn Jahren gab er sein Orchesterdebüt und erhielt als jüngster Musiker den Jugendkulturpreis der Stadt Kaufbeuren. 2005 wurde er in die renommierte Klavierklasse von Karl-Heinz Kämmerling (1930-2012) aufgenommen, zunächst an der Universität Mozarteum Salzburg, danach an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Seit 2012 studiert er bei der polnischen Pianistin Ewa Kupiec. Zusätzlich arbeitete er als künstlerische Hilfskraft im Institut für Musikphysiologie und Musikermedizin. Seinen Abschluss als Master of Music schloss Jiang mit der höchsten Auszeichnung ab und befindet sich nun aktuell in der Soloklasse, wo er zeitgleich als Dozent in der Klavierfakultät seine eigene Klasse sowie als Assistent von Ewa Kupiec unterrichtet.
2015 übernahm der Musiker die künstlerische Gesamtverantwortung des Münchner Pianistenclubs und wurde 2016 als bisher jüngstes Mitglied in die Jury der China Youth Music Competition, eines großen chinesischen Talentwettbewerbs, berufen. Daneben führt er auch seine Konzerttätigkeit fort. So muss er derzeit nicht nur für seinen Auftritt am Abschlussabend des "Jiang Artists Festival" üben, sondern auch für einen weiteren Meilenstein seiner Karriere: Bei den Münchner Opernfestspielen im Sommer wird er mit dem Zweiten Klavierkonzert von Sergej Rachmaninow debütieren."

Martin Frei, Allgäuer Zeitung (04/2018)

 

Klavierfestival bei "pianofactum" in Kaufbeuren

"Der umtriebige chinesisch-deutsche Jungpianist Yi Lin Jiang, der 1988 in München geboren wurde und seine Kindheit in Shanghai verbrachte, um nach einigen Jahren wieder nach Deutschland zurückzukehren, hat sich nun einer ganz besonderen Aufgabe gestellt: im Klavierhaus "pianofactum" in Kaufbeuren initiiert er vom 10. bis 15. April ein eigenes Festival mit jungen, fast noch gänzlich unbekannten aber interessanten Pianisten. Unter dem Motto "5 Pianisten, 7 Nationen, 1 Sprache" will er beweisen, dass Klavierkünstler aus unterschiedlichen Regionen der Welt zwar unterschiedliche "Dialekte" sprechen, wenn es um die großen Werke der klassischen Musik geht, aber letztendlich durch die Musik eine gemeinsame Sprache finden. 
Die Gegebenheiten für dieses Festival waren auch durch den Umbau des Klavierfachgeschäfts "pianofactum" in Kaufbeuren gegeben, wo man 2014 einen neuen Flügelsaal an das bisherige Geschäft gebaut hatte. Dieser Saal, der eigentlich zur Präsentation von Flügeln von Kunden gedacht war, hat sich mittlerweile zu einem kleinen Konzertsaal entwickelt, der nun auch das Festival von Jiang beheimaten wird. Yi Lin Jiang, der bei Karl-Heinz Kämmerling in Salzburg und Hannover studierte, und seinen Abschluss bei Ewa Kupiec erwerben konnte, ist mittlerweile selber Dozent in Hannover. Ihm ist - neben dem eigenen Spiel - daran gelegen, junge Pianisten vorzustellen, die man vielleicht noch gar nicht kennt, die aber interessant genug sind, sie einem Publikum zu präsentieren. So spielt am 10. April die österreichisch-russissche Pianistin Alexandra Helldorff (*1986) zum Auftakt Werke, die mit ihrer Lebensgeschichte verbunden sind. Neben Franz Schuberts "Fantasie" f-Moll D 940 (die sie mit dem Gastgeber Jiang spielt) und dem "Italienischen Konzert" von Bach auch Werke von Glinka und Tchaikowsky. Der Italiener Jacopo Giovannini (*1997) hat sich am 12. April ganz dem polnisch-französischen Repertoire verschrieben. Neben den 24 Préludes op. 28 von Chopin spielt er Ravels Zyklus "Gaspard de la nuit" sowie Camille Saint-Saëns "Danse macabre". Ein zehrendes und herausforderndes Programm. Seinem Konzert folgt am 13. April Ofer Stolarov (*1994) aus Israel, der mit Werken von Debussy, César Franck, Sergei Rachmaninow, Bach und Mozart ein durchweg gemischtes Programm vorbereitet hat. Neringa Valuntonyte wurde 1994 im litauischen Panevezys geboren und präsentiert sich erstmals in Deutschland als Pianistin. Dafür hat sie das erste Heft der Préludes von Debussy, Manuel de Fallas "Danzas españolas" sowie Modest Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung" für den 14. April erarbeitet. Am Schluss spielt dann der Festivalinitiator Yi Lin Jiang (*1988) selbst und hat sich mit Schuberts Klaviersonate D 959, Chopins "Polonaise-Fantaisie" op. 61 und Beethovens Klaviersonate op. 111 späte Werke dieser Komponisten ausgesucht, um sie seinem Publikum am 15. April zu präsentieren.
Die Besonderheit in dem kleinen Flügelsaal von "pianofactum" in Kaufbeuren ist, dass man die Pianisten "hautnah" erleben kann, in einem intimen Rahmen, den es in dieser Form heutzutage nur noch selten gibt. Fast eine Art von Salonatmosphäre wird da entstehen. Alle Konzerte beginnen um 19:30 Uhr und man kann sicher sein, dass man unter diesen Jungpianisten sicherlich einige entdecken wird, die noch von sich Reden machen werden."

Carsten Dürer, PIANONews, Ausgabe 02-2018 (03/2018)